NSU – offene Fragen, offene Antworten

Der folgende Text von mir erschien leicht gekürzt im AIB 120 / Herbst 2018 (nur in der gedruckten Ausgabe)

Ein Plädoyer für gründliche Recherchen statt spektakulärer Hypothesen

Fast sieben Jahre sind vergangen seit der Aufdeckung des NSU im November 2011, mehr als elf Jahre seit dem – soweit bekannt – letzten Mordanschlag der Gruppe 2007, dennoch ist dieses besonders dunkle Kapitel des deutschen Rechtsradikalismus weit davon entfernt, geschlossen zu werden. Weiterlesen

NSU: Die gescheiterte Fahndung nach dem Trio 1998 bis 2000 – tiefer Staat oder seichte Gewässer?

NSU: Die gescheiterte Fahndung nach Mundlos, Böhnhardt und Zschäpe 1998 bis 2000 – tiefer Staat oder seichte Gewässer?Bei der Beantwortung der Frage, ob der NSU mit Wissen oder gar Mithilfe staatlicher Stellen entstanden sein könnte, spielt die Phase des Unter­tauchens und Gründens einer Struk­tur in den Jahren 1998 bis 2000 eine wichtige Rolle. Wurde das Unter­tauchen von Mundlos, Böhnhardt und Zschäpe nach der Durch­such­ungsaktion in Jena Ende Januar 1998 irgendwie gefördert, wurden sie danach absichtlich nicht aufgespürt? War ihr Leben im Unter­grund gewollt, oder zumindest wissentlich in Kauf genommen? Wurde die Polizei gezielt daran gehindert, die drei festzunehmen? Hier sind in der Öffentlichkeit in den vergangenen Jahren einige Legenden ent­standen, die der Aufklärung bedürfen.

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Zwischenruf: Verschwörungstheorien sind Glaube ohne Kirche

Foto: Führer gesuchtDie seit ein paar Jahren durch die Essays und Artikel getriebene Frage, woher der moderne Hang zu Verschwörungstheorien komme, wird zu oft formal und oberflächlich beantwortet: Soziale Medien, Facebook, Rechtsruck, Polarisierung der Gesellschaft, das sind Symptome, nicht Gründe. In letzter Zeit gibt es einige gute Ansätze, hinter diese Fassaden zu schauen (siehe z. B. den immer besser werdenden Sascha Lobo bei SPON). Das Problem ähnelt der alten Frage, ob Werbung (lies: Facebook) uns manipuliert und unsere Bedürfnisse erst weckt, oder ob sie sich die bereits vorhandenen Bedürfnisse zu Nutze macht und ausbeutet.

Ich glaube, es braucht gar nicht so viele Worte, um das Phänomen zu erklären. Es handelt sich einfach um die Rückkehr der Religion in unsere säkularisierte moderne westliche Welt. Weiterlesen

NSU: Heilbronner „Graffiti” – hol’s Stöckchen, Qualitätsjournalismus!

Bild "NSU-Graffiti" Heilbronn

Das Beweisfoto: „NSU-Tag“, ca. 20 cm lang, dicht über dem Boden neben dem Tatort in Heilbronn

Ergänzung 10.06.2024: Am 07.06.2024 berichtet SPIEGEL online, Beate Zschäpe habe dem BKA gegenüber im Herbst 2023 ausgesagt, Uwe Böhnhardt habe ihr gegenüber nach dem Mord von Heilbronn erklärt, den Namen „NSU“ am Tatort „an einer Wand hinterlassen“ zu haben. Wenn das stimmt, würde es natürlich bedeuten, dass nicht die von mir hier kritisierte Medienaufregung ein zusammenfallendes Soufflé gewesen wäre, sondern meine Gegenargumentation. Allerdings: Die Meldung muss nicht allein deshalb stimmen, weil als Quelle Zschäpe angegeben wird. Beate Zschäpe wird zudem die Berichte über das Graffiti auch kennen, offenbart also kein „Täterwissen“. Und auch der SPIEGEL hat schon die eine oder andere Falschmeldung verbreitet. Es empfiehlt sich also, auf weitere Details zu warten.

Am 25. April 2017 beeilte sich der selbsternannte deutsche „Qualitätsjournalismus” der öffentlich-rechtlichen Medien, eine ziemlich absurde Behauptung aus einem dubiosen Dokumentarfilm in die Welt zu posaunen und damit die Latte für die eigene Qualität noch etwas tiefer zu legen:

Ein angebliches „NSU”-Graffiti wurde auf dem Trafo-Häuschen in Heilbronn, neben dem 2007 die Polizisten Michèle Kiesewetter und Martin Arnold niedergeschossen worden waren, entdeckt. Weiterlesen

NSU: Das Märchen von den toten Zeugen

NSU: Die "mysteriösen Zeugentode" - ein Märchen

Der folgende Text wurde auch bei nsu-watch veröffentlicht (Teil 1 | Teil 2).

Aktuell geht in Kreisen der NSU-Aufklärungsszene aufs Neue das Gespenst der plötzlichen Zeugentode um. Nach dem Tod einer Frau aus der Blood&Honour-Szene, die im Februar 2017 vor den Untersuchungsausschuss Baden-Württemberg geladen werden sollte, ist in etlichen Veröffentlichungen die Rede von bisher sechs Todesfällen von ZeugInnen im NSU-Komplex, die rätselhaft oder verdächtig seien. Eigentlich hätte mit der weitgehenden Aufklärung des Todesfalls Florian He. spätestens im Frühjahr 2015 die Luft raus sein sollen aus dieser Geschichte – doch Unkraut vergeht nicht, und wenn selbst erfahrene Genossen der von mir geschätzten Zeitschrift „analyse & kritik” Anfang 2016 mich plötzlich erneut nach „mysteriösen Zeugentoden” fragen, muss ich wohl noch mal ran an das Thema.

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NSU: Faktencheck Schorlau — „Die schützende Hand“… weder Hand noch Fuß!

Titelbild1

Der Original Alu-Hut® schützt vor Gehirnmanipulation durch CIA-Strahlung

Vorbemerkung: Der folgende Text ist sehr lang. Wer es knackiger und unterhaltsamer mag, lese die Kurzversion im ak 613 vom 16.02.2016 (nur in der Druckausgabe) oder die inhaltlich sehr ähnliche Kritik bei nsu-watch!

Wolfgang Schorlaus NSU-Krimi ist ein Totalausfall

Dies ist keine Besprechung eines Romans. Ein Kriminalroman darf gewiss zuspitzen, manches übertreiben, ohne sich am gleichen Maßstab messen zu lassen wie ein Sachbuch. Doch Schorlaus Buch ist kein Kriminalroman. Schorlau selbst ist es, der die Messlatte bedeutend höher legt, wenn er sagt, sein Buch solle der Aufklärung dienen und „zeigen, wie es wirklich ist”1, es sei die „Ermittlung eines Staatsverbrechens” und seines Erachtens „deutlich realitätstüchtiger als die offiziellen Bekundungen”2. Weiterlesen