NSU: Das Märchen von den toten Zeugen

NSU: Die "mysteriösen Zeugentode" - ein Märchen

Aktuell geht in Kreisen der NSU-Aufklärungsszene aufs Neue das Gespenst der plötzlichen Zeugentode um. Nach dem Tod einer Frau aus der Blood&Honour-Szene, die im Februar 2017 vor den Untersuchungsausschuss Baden-Württemberg geladen werden sollte, ist in etlichen Veröffentlichungen die Rede von bisher sechs Todesfällen von ZeugInnen im NSU-Komplex, die rätselhaft oder verdächtig seien. Eigentlich hätte mit der weitgehenden Aufklärung des Todesfalls Florian He. spätestens im Frühjahr 2015 die Luft raus sein sollen aus dieser Geschichte – doch Unkraut vergeht nicht, und wenn selbst erfahrene Genossen der von mir geschätzten Zeitschrift „analyse & kritik” Anfang 2016 mich plötzlich erneut nach „mysteriösen Zeugentoden” fragen, muss ich wohl noch mal ran an das Thema.

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NSU: Faktencheck Schorlau — „Die schützende Hand“… weder Hand noch Fuß!

Titelbild1

Der Original Alu-Hut® schützt vor Gehirnmanipulation durch CIA-Strahlung

Vorbemerkung: Der folgende Text ist sehr lang. Wer es knackiger und unterhaltsamer mag, lese die Kurzversion im ak 613 vom 16.02.2016 (nur in der Druckausgabe) oder die inhaltlich sehr ähnliche Kritik bei nsu-watch!

Wolfgang Schorlaus NSU-Krimi ist ein Totalausfall

Dies ist keine Besprechung eines Romans. Ein Kriminalroman darf gewiss zuspitzen, manches übertreiben, ohne sich am gleichen Maßstab messen zu lassen wie ein Sachbuch. Doch Schorlaus Buch ist kein Kriminalroman. Schorlau selbst ist es, der die Messlatte bedeutend höher legt, wenn er sagt, sein Buch solle der Aufklärung dienen und „zeigen, wie es wirklich ist”1, es sei die „Ermittlung eines Staatsverbrechens” und seines Erachtens „deutlich realitätstüchtiger als die offiziellen Bekundungen”2. Weiterlesen

NSU: Schorlau verteidigt seine „Schützende Hand“ gegenüber telepolis

Auf einen kritischen Beitrag von Walter Gröh bei telepolis vom 11.12.2015 antwortete Schorlau am 20.02.2016, das möchte ich hier kurz besprechen. Seine Gegenvorstellung gibt mir keinen Anlass, an meiner Darstellung irgend etwas zu verändern.

(Natürlich bin ich kein Hellseher, dieser Text ist nicht vom 14.02.2016, sondern vom 22.02.2016; er ist lediglich umdatiert, damit er bei WordPress an die zweite Stelle rutscht.)

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Stay Behind: Gauner, Nazis und Agenten

TitelIch freue mich, meiner kleinen Fangemeinde einen neuen Rohdiamanten präsentieren zu können: Nach einigen Monaten des Durchbeissens durch öffentlich zugängliche Akten der CIA habe ich eine Geschichte von Stay Behind in Deutschland der Jahre 1948 bis 1960 geschrieben, die es hierzulande meines Wissens bisher so umfangreich noch nicht gab. Anders als geplant ist ein ganzes Buch von 200 Seiten Umfang daraus geworden. Die Einleitung und Ausschnitte aus den drei Kapiteln, die wohl am meisten auf Interesse stoßen, sind hier auf der Webseite zu finden- das ganze Buch zum Download als PDF.
(Anm.: Seit 2. Juli 2015 ist dies eine korrekturgelesene und um ein einige Fehler bereinigte Version, allen die die erste Version haben, empfehle ich das „Update“, da in der ersten Version auch einige wenige gröbere Schnitzer wie etwa drei falsche Jahreszahlen enthalten waren)

Stay Behind in der
Bundesrepublik Deutschland 1948-1960

Einleitung

Was war Stay Behind – eine zentralisierte Struktur, ein Netzwerk, ein loser Flickenteppich von Gruppen? Was tat Stay Behind – ging es um paramilitärische Wehrsportübungen, „schlafende” Spionageringe für den „Tag X”, antikommunistische Kampfgruppen mit innenpolitischen Zielen? Wer gehörte zu Stay Behind – alte Nazis, Militärveteranen, Widerstandskämpfer gegen den Bolschewismus? Und schließlich, wer steuerte Stay Behind – Militärs oder Nachrichtendienste, US-Amerikaner oder Deutsche? Seit der Aufdeckung des westeuropäischen Stay-Behind-Netzwerks im Jahr 1990 in Italien blühen Vermutungen, Verdächtigungen und Beschuldigungen rund um das Thema. Insbesondere die Frage, ob Stay Behind den Rahmen einer rein präventiven und im Kern defensiven Kriegsvorbereitung überschritten und zum innenpolitischen Kampfmittel radikaler rechtsnationalistischer Innenpolitik geworden sein könnte, wird immer wieder aufgeworfen, auch wenn es für Deutschland – anders als etwa im Falle Italiens – bisher keine Belege in dieser Richtung gibt. An solchen Spekulationen habe ich mich auch mehrfach beteiligt im Rahmen meiner Recherchen zum Anschlag auf das Münchener Oktoberfest 1980. Weiterlesen

Vom „F-Net” über „SATURN” bis zu „NASHORN” – Die Stay-Behind-Geschichte des BND

Zusammenfassung

Die Geschichte der Stay-Behind-Organisation, die von der Organisation Gehlen (OG) unter dem Namen „F-Net” gegründet wurde, unterscheidet sich von den anderen hier behandelten Programmen in einigen wesentlichen Punkten. Erstens war es eine Operation, die bereits existierte, als die CIA erstmals damit in Berührung kam. Und zweitens war es die einzige der ursprünglichen Stay-Behind-Operationen, die einigermaßen erfolgreich war und die auch nach dem Ende der anderen westdeutschen Stay-Behind-Programme der CIA 1953 weitergeführt wurde. Weiterlesen

Das KIBITZ-Netz: Kalter Krieg in der Pfalz

Zusammenfassung

Ende 1948 begann die Zentrale des Office of Special Operations (OSO) der CIA in Deutschland unter dem Eindruck des von den USA wesentlich mitinitiierten Kalten Krieges die ersten Stay-Behind-Programme. Von der OSO-Zentrale in Karlsruhe aus wurden dazu die Projekte KIBITZ und VULTURE geführt, die zu diesem Zweck Agenten und die von ihnen benötigten Funkanlagen bereitstellen sollten. Diese Projekte wurden über vier Jahre lang mit sehr mäßigem Erfolg betrieben, da es nur wenig Geld und Personal dafür gab. Als KIBITZ eingestellt wurde, war es gerade einmal gelungen, drei Agenten einsatzbereit zu machen – während andererseits OSO spätestens seit Ausbruch des Korea-Krieges im Juni 1950 die Aufgabe hatte, in Mitteleuropa Vorbereitungen für die mittel- und längerfristige militärische Aufklärung im Fall eines großen Krieges zu treffen. Dieses extreme Missverhältnis trug schließlich dazu bei, zusammen mit der veränderten politischen Großwetterlage (abnehmende Kriegsgefahr, bevorstehende Souveränität der BRD), das Programm im Frühjahr 1953 zu beenden. Weiterlesen