NSU: Das Märchen von den toten Zeugen

NSU: Die "mysteriösen Zeugentode" - ein Märchen

Aktuell geht in Kreisen der NSU-Aufklärungsszene aufs Neue das Gespenst der plötzlichen Zeugentode um. Nach dem Tod einer Frau aus der Blood&Honour-Szene, die im Februar 2017 vor den Untersuchungsausschuss Baden-Württemberg geladen werden sollte, ist in etlichen Veröffentlichungen die Rede von bisher sechs Todesfällen von ZeugInnen im NSU-Komplex, die rätselhaft oder verdächtig seien. Eigentlich hätte mit der weitgehenden Aufklärung des Todesfalls Florian He. spätestens im Frühjahr 2015 die Luft raus sein sollen aus dieser Geschichte – doch Unkraut vergeht nicht, und wenn selbst erfahrene Genossen der von mir geschätzten Zeitschrift „analyse & kritik” Anfang 2016 mich plötzlich erneut nach „mysteriösen Zeugentoden” fragen, muss ich wohl noch mal ran an das Thema.

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Karl-Heinz Hoffmann: Artikel im Antifaschistischen Info-Blatt (AIB)

Der folgende Text von mir erschien leicht gekürzt im AIB 105 / Winter 2014

Die Umtriebe des Karl-Heinz Hoffmann

Was, den gibt es immer noch? Die Älteren werden sich erinnern: Karl-Heinz Hoffmann war in den 1970er Jahren „Chef“ der Wehrsportgruppe Hoffmann, der größten rechtsradikalen Wehrsportgruppe in der damaligen Bundesrepublik. Die überwiegend aus jungen Neonazis bestehende Gruppe probte den Ernstfall rund um Nürnberg, bis sie Anfang 1980 vom Bundesinnenministerium verboten wurde. Nebenbei trat die WSG als Saalschutz bei Neonazi-Veranstaltungen auf, und Hoffmann versuchte sich als Führergestalt im rechten Lager, ohne dabei jedoch über seine angestammte Rolle als exzentrischer WSG-Chef hinaus zu kommen. Nach dem Verbot gründete Hoffmann in einem PLO-Lager im Libanon eine neue Kampfgruppe, die aber nach wenigen Monaten im Desaster, interner Folter und Mord endete. Hoffmann wurde 1981 verhaftet und umfangreich angeklagt, wobei ihm der schwerwiegendste Vorwurf nicht nachzuweisen war: Der antisemitische Mord an Shlomo Levin und Frieda Poeschke in Erlangen Ende 1980, begangen höchstwahrscheinlich von Hoffmanns WSG-Offizier Uwe Behrendt, der sich 1981 in Beirut erschoss. Ob Behrendt den Mord auf Hoffmanns Anweisung beging oder Gewaltfantasien seines Chefs selbstständig in die Tat umsetzte, blieb ungeklärt.

Über Hoffmann schwebt bis heute der Verdacht, er bzw. seine WSG sei in das Oktoberfest-Attentat in München am 26. September 1980 verwickelt gewesen1. Weiterlesen

Zwei Kurzrezensionen: „Heimatschutz“ und „Geheimsache NSU“

Die Kritik an den populären Verschwörungstheorien rund um den NSU, die ich seit 2012 hier auf meiner (eher wenig gelesenen) Webseite und in analyse&kritik veröffentliche – zum Beispiel hier – hat sich leider als weitgehend wirkungslos erwiesen, wie mir scheint. Das Gefühl von „Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass…“ ist mächtiger: Es lässt die Leute nicht etwa an der eigenen Vorstellungskraft zweifeln, sondern an den Informationen, die nicht zu ihrer Vorstellung passen.
Deshalb habe ich in letzter Zeit nicht mehr so viel meiner Freizeit für Recherchen geopfert.

Zwei Bücher zum Thema, die kürzlich erschienen sind, sind aber eine kurze Erwähnung wert: Zum einen „Heimatschutz“ von Stefan Aust und Dirk Laabs, zum anderen „Geheimsache NSU“, herausgegeben von Andreas Förster.
Die Bücher stehen auch stellvertretend für zwei verschiedene Perspektiven auf den Fall NSU. Während „Heimatschutz“ einen im großen und ganzen aufgeklärten Fall mit zahlreichen Unstimmigkeiten und unbeantworteten Fragen nachzeichnet, präsentiert „Geheimsache NSU“ eine unaufgeklärte, von planvoller Vertuschung gezeichnete Geschichte. Weiterlesen

Oktoberfest-Attentat 1980: Artikel im Apabiz-Monitor

Ein Artikel von mir ist im „Monitor“ (Rundbrief des apabiz) Nr. 63 erschienen. Einleitung:

Mythos München: Bei einem Bombenanschlag auf das Münchner Oktoberfest im Jahr 1980 starben 13 Menschen, über 200 wurden verletzt. Der Bombenleger hatte zumindest zeitweise einer Neonazigruppe nahe gestanden. Viel mehr ist bis heute nicht bekannt. Für viele BRD-Linke war das ausreichend, um einen weiteren Beleg für eine »Faschisierung« des Staates zu sehen. Ein skeptischer Blick zurück auf die Münchner Melange aus Indizienketten, analytischen Fehldeutungen, auf Geheimdienste und linke Geschichtsmythen.

Filmbesprechung: Der blinde Fleck

Der Spielfilm „Der blinde Fleck“ von Daniel Harrich setzt den schlimmsten Terroranschlag der bundesdeutschen Geschichte auf die Tagesordnung, den Anschlag auf das Münchener Oktoberfest am 26. September 1980.

Als jemand, der sich gründlich mit dem Oktoberfestanschlag beschäftigt hat, habe ich dem Film mit Hoffnungen und Sorgen entgegengesehen. Hoffnung, weil durch das verstärkte öffentliche Interesse Bewegung in den rätselhaften Fall kommen könnte; Sorge, weil das Thema so komplex ist, dass es mir fast unmöglich schien, daraus einen stimmigen Film zu machen. Sowohl Hoffnung als auch Sorge scheinen berechtigt gewesen zu sein. Weiterlesen